Turbo
Ein Turbolader ist im Prinzip eine einfache Maschine: zwei Räder auf einer Welle, getragen von Ölfilmlagern. Dennoch ist er eines der Teile, die an einem modernen Diesel am häufigsten ausfallen.
Die Erklärung ist, dass er unter Bedingungen arbeitet, denen kein anderes Bauteil im Motor ausgesetzt ist. Das Turbinenrad sitzt direkt im Abgas bei bis zu 900 Grad, während die Welle mit bis zu einer Viertelmillion Umdrehungen pro Minute dreht — etwa 4.000 Mal pro Sekunde.
Die Welle berührt die Lager nie. Sie schwebt auf einem Ölfilm, der dünner ist als ein Haar. Die gesamte Lebensdauer des Laders hängt davon ab, dass dieser Film nie abreißt.
Ölmangel oder verzögerte Ölversorgung. Ein verstopfter Ölfilter, eine eingedrückte Ölzuleitung, Verkokung im Rücklauf oder schlicht ein Start nach langer Standzeit ohne Öldruck. Reißt der Film bei dieser Drehzahl ab, dauert es Sekunden, nicht Kilometer.
Ölverschmutzung. Ruß- und Metallpartikel im Öl wirken in den Lagern wie Schleifmittel. Deshalb stirbt ein neuer Lader an einem Motor mit aufgeschobenen Ölwechseln erneut.
Fremdkörper. Ein Stück Luftfilter, eine Mutter, eine gebrochene Ventilführung. Die Schaufeln des Verdichterrads sind an der Kante dünner als ein Millimeter.
Überdrehzahl. Eine Undichtigkeit im Ansaugtrakt nach dem Lader, ein defekter VTG-Mechanismus oder ein fehlerhaftes Software-Tuning lassen den Lader schneller drehen als konstruiert. Irgendwann gibt das Material nach.
Beachten Sie, dass drei der vier Ursachen außerhalb des Laders selbst liegen.
Jede Schadensursache hinterlässt ihr eigenes Muster. Ölmangel sieht anders aus als Fremdkörperschaden, und der wieder anders als Überdrehzahl. Indem wir das Schadensbild lesen, können wir Ihnen sagen, was schiefgelaufen ist — auch dann, wenn die Antwort lautet, dass das Problem an anderer Stelle im Motor behoben werden muss.
Überspringt man das und baut einfach ein neues Bauteil ein, geht der nächste Lader innerhalb weniger Tausend Kilometer denselben Weg. Und dann glaubt der Kunde, es habe an der Arbeit der Werkstatt gelegen.
Das überrascht viele. Aber auf Kurzstrecken erreicht der Motor keine Betriebstemperatur, das Öl brennt Kondenswasser und Kraftstoff nicht ab, und nach einem harten Zug steht der glühende Lader still, während das Öl im Gehäuse verkokt. Diese Ablagerungen setzen die Ölkanäle langsam zu.
Ein Fahrzeug, das 15 Kilometer zur Arbeit und 15 zurück fährt, beansprucht seinen Lader stärker als eines, das täglich Landstraße fährt.