Turbo
Die meisten modernen Dieselturbolader haben eine variable Turbinengeometrie — VTG. Im Turbinengehäuse sitzt ein Kranz verstellbarer Leitschaufeln, die den Winkel des Abgases zum Turbinenrad verändern.
Ziel ist das Beste aus zwei Welten: Ladedruck schon bei niedrigen Drehzahlen, ohne dass der Lader bei hohen überlädt. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass moderne Diesel ab 1.500 Umdrehungen ziehen.
Die Schaufeln sitzen im Abgas bei mehreren Hundert Grad. Ruß und Ölnebel aus dem AGR-System lagern sich allmählich im Mechanismus ab, und bei Fahrzeugen im Kurzstreckenbetrieb härten die Ablagerungen aus, bis sich die Schaufeln schwer bewegen — und schließlich gar nicht mehr.
Das ist der häufigste Turboschaden an modernen Dieselfahrzeugen. Und er hat nichts mit den Lagern zu tun.
Das Tückische ist, dass der Aktuator abgebaut und einzeln geprüft oft einwandfrei arbeitet. Er ist nämlich nicht defekt. Festsitzend ist der Mechanismus, den er bewegen soll.
Die Instandsetzung eines VTG-Laders bedeutet nicht nur neue Lager. Der Mechanismus muss zerlegt, Zunder und Ablagerungen müssen entfernt und die Beweglichkeit der Schaufeln über den gesamten Weg geprüft werden — nicht nur an den Endpunkten.
Und danach muss der Aktuator kalibriert werden. Elektronische Aktuatoren haben einen angelernten Endanschlag, der nach dem Einbau mit Diagnosegerät gesetzt werden muss. Wird er falsch gesetzt, liefert der Lader vom ersten Tag an zu wenig oder zu viel Ladedruck.
Das ist eine der Stellen, an denen ein wieder eingebauter Lader als „defekt“ zurückkommt, obwohl das Bauteil selbst in Ordnung ist.